Pädagogische Praxis und pädagogischer Ansatz

In der ersten Lebensphase (bis Ende des 2. Lebensjahres) wird eine bedeutende Fülle von Grunderfahrungen vermittelt, wie in kaum einer anderen Lebensphase. Diese angelegten Fähigkeiten (Denk- und Sprachentwicklung, Koordination der Bewegungsabläufe, soziale Grundmuster) können nur in einer positiven, anregenden Atmosphäre zu Grundfertigkeiten heranreifen. Babys und Kleinkinder sind im besonderen Maße auf die zuverlässige Befriedigung ihrer körperlichen, seelischen und sozialen Bedürfnisse angewiesen, da sie sich sprachlich noch nicht oder nur eingeschränkt äußern können. Durch einfühlsame Zuwendung und reflektierendes Beobachten kann die Erzieherin Signale der Kinder verstehen und entsprechend reagieren. Den Kindern wird mit unserer Einrichtung ein Umfeld geboten, indem sie willkommen sind, im Mittelpunkt stehen und ihre Einzigartigkeit leben dürfen. Basis hierfür ist das Erkennen ihrer Individualität und ihrer Rechte.

Die pädagogische Ausrichtung unserer Einrichtung soll bewusst nicht an einem Ansatz festgemacht werden. Wichtig ist es, den Kindern eine Atmosphäre der Sicherheit und Geborgenheit zu bieten, ihnen Zuneigung und Achtung entgegenzubringen. Der individuelle Entwicklungsprozess eines jeden Kindes wird unterstützt und begleitet, in dem an ihren großen und kleinen Freuden und Problemen Anteil genommen wird, ihnen Mut gemacht wird und sie zur Eigentätigkeit angeregt werden. Die Kinder sollen sich in ihrer Persönlichkeit angenommen und ernst genommen fühlen. Das ist besonders wichtig, damit die Kinder die Betreuung in der Kinderkrippe als positiv annehmen und sich dort wohlfühlen können. Die rege Zusammenarbeit zwischen Eltern und Erzieherinnen spielt von Anfang an eine sehr wichtige Rolle.

Folgende Sichtweise des Kindes ist jedoch in jeder pädagogischen Arbeit von Bedeutung und nicht nur an einem bestimmten pädagogischen Ansatz gebunden:

"Hilf mir es selbst zu tun.

Zeig mir, wie es geht.

Tu es nicht für mich.

Ich kann und will es alleine tun.

Hab Geduld meine Wege zu begreifen.

Sie sind vielleicht länger,

vielleicht brauche ich mehr Zeit,

weil ich mehrere Versuche machen will.

Mute mir auch Fehler zu,

denn aus ihnen kann ich lernen."

                                                                       Maria Montessori
 

Sinneserfahrungen und Bewegung

Das Kind entdeckt über die Sinne die Welt. In den ersten drei Lebensjahren lernen verschiedene Sinne zusammenzuarbeiten. Die Sinneserfahrung der Kinder ist wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Tasten ist von großer Bedeutung um sich selbst und seine Umwelt wahrzunehmen. Methodische Inhalte werden von uns nicht vordergründig mit Sprache verbalisiert, sondern durch Einbeziehung der Sinne. Nehmen wir beispielsweise das Rahmenthema Tiere, dann versuchen wir Tiere nicht nur durch Bilderbücher den Kindern nahezubringen, sondern durch einen Besuch auf den Bauernhof, oder indem wir Hasen mit in die Krippe bringen, wo die Kinder die Tiere anfassen und streicheln können.

Bewegung sehen wir als Entdeckungs- und Erfahrungsreise der Kinder. Gerade in den ersten drei Lebensjahren erwirbt das Kind große Fortschritte im Bereich Bewegung, vom Drehen, Rutschen, Robben, Krabbeln zum Laufen, dadurch verändert sich für das Kind die Perspektive und die Sicht der Dinge. Jedes Kind hat eine innere Uhr, die ihm sagt, welche Bewegung als nächste dran ist. Wir verstehen uns als Unterstützer in diesem Entwicklungsprozess, wir bieten den Kindern Raum, Freiheit und Ermutigung, die für sie wichtigen Erfahrungen selbständig zu erwerben.

Mit den psychomotorischen Elementen, wie z.B. Schaukel und Bewegungslandschaft, Bällebad in der Gruppe, eröffnen wir unseren Kindern Erfahrungs- und Bewegungsräume, in denen sie ihre körperlichen Möglichkeiten erleben. Dazu gehören, z.B. Regenspaziergang, Herumwälzen im Herbstlaub oder sich auch mal einmatschen zu dürfen. Die Vielzahl der sinnlichen Wahrnehmungen sinnvoll ordnen zu können, gibt unseren Kindern Befriedigung und Sicherheit und nicht zuletzt Freude am Erleben, Verstehen und Begreifen. Unsere Angebote sehen wir darin, diese Freude zu entdecken und zu teilen.
 

Sprachförderung

Die Sprachentwicklung des Kindes ist kein isolierter Vorgang, sondern steht in enger Verbindung mit anderen Bereichen (z.B. Tasten, Hören, Fein- und Grobmotorik). Wir sprechen mit den Kindern von Anfang an, auch mit Babys, dabei achten wir auch eine verständliche und deutliche Aussprache. Unsere Handlungen im Alltag begleiten wir mit Sprache (z.B. beim Wickeln, Essen, Spielen) wir ermutigen die Kinder sich zu äußern und gegen einfühlsam darauf ein. Wenn Kinder die Erfahrung machen, dass mit ihnen gesprochen wird, dass ihnen zugehört und ihnen geantwortet wird, ist das die beste Sprachförderung. Eine wertschätzende Haltung

dem Kind gegenüber, die sich auch in Sprache ausdrückt, ist die beste Grundlage für eine gelingende Sprachentwicklung. Im Gruppenalltag sind bei uns feste Lieder und Rituale verankert, die es den Kindern erleichtert bestimmte Situationen verbal zu erfassen und bei zunehmender Sprachfertigkeit aktiv mitzumachen, z:B. Begrüßungslied im Morgenkreis, Aufräumlied, Lied zum Essen, usw. Durch Spiele zu Bewegung, Gleichgewicht, Eigenwahrnehmung können wir Erzieherinnen positiv auch die Sprachentwicklung einwirken.

Nehmen wir z.B. das "Singen". Singen ist Freude, beim Singen spürt das Kind seinen Körper, seine Atmung. Die Kinder spüren die Musik innen und außen und können sie sehen, in inneren und äußeren Bildern. Deshalb musizieren wir mit allem, was uns das Innen und Außen bietet, dabei setzen wir auch verschiedene Instrumente ein.

 

Körperpflege

Der Körperpflege wird jeden Tag genügend Zeit eingeräumt, da diese eine ideale Gelegenheit zu körperlicher Nähe und Kontaktaufnahme bietet. Die Sprachförderung wird durch Krabbelspiele oder Lieder besonders beim Wickeln gefördert. Die Wickelzeiten werden dem individuellen Rhythmus des Kleinkindes angepasst. Es gibt allerdings auch eine feste Wickelzeit, damit jedes Kind zumindest einmal am Vormittag gewickelt wird. Auch bei der Sauberkeitserziehung unterstützen wir die Kinder, nach Absprache mit den Eltern. Die Windeln, sowie die Pflegeprodukte werden von den Eltern mitgebracht und in ein eigenes dafür vorgesehenes Fach deponiert. So hat jedes Kind seine eigenen Pflegeprodukte, die es gut verträgt. Auch für Wechselkleidung gibt es im Eingangsbereich Fächer für jedes Kind.

 

Schlafbedürfnisse

Ausreichender Schlaf ist, wie die Befriedigung des natürlichen Bewegungsdranges, eine wichtige Voraussetzung für die gesunde Entwicklung des Kindes. Das Schlafbedürfnis ist aber individuell verschieden, wobei das Alter nur ein sehr allgemeiner Anhaltspunkt ist. Das Kind soll Schlafen als etwas Schönes und Beruhigendes empfinden. Wann und in welcher Form das Kind eine Ruhepause braucht, besprechen Eltern und Erzieherinnen im persönlichen Gespräch. Jedes Kind hat seinen eigenen Schlafplatz, mit seinem Foto darauf und den es mit den persönlichen Gegenständen wie Schnuller, Kuscheltier und Schmusetuch einrichten kann.